Medien vs. Qualität

 

“Mit unseren Massenmedien ist eine Demokratie nicht herstellbar.”

(Volker Pispers)

 

Querverweis

Nachdem es beim Streit um die Basler Zeitung vor allem um den Missbrauch von Medien als Instrumente pseudo-politischer Propaganda im allgemeinen und die schein-seriösen Desinformationskampagnen der Selbsternannten Volks-Partei im besonderen geht, äussere ich mich dazu auf der Seite “SVP stoppen!”.

 

[25.02.12] Surreale Logik, neu interpretiert

“In der Blick-Gruppe wird besonders akribisch gearbeitet, gerade was die Verifizierung von Nachrichten angeht.”

- so zumindest die Sichtweise von Rolf Cavalli, wie sie auf persoenlich.com wiedergegeben ist. Zum Glück scheint Edith Hollenstein, die sich mit dem “Chef-Blicker” unterhalten hat, frei zu sein von jeglichem Zynismus – sonst hätte sie womöglich laut gefragt, was mir nur ganz leise durch den Kopf geht:

Wie kann man Meldungen “akribisch verifizieren”, die in aller Regel ebenso arm an Inhalt wie reich an Fantasie sind? (- Was sich an im journalistischen Sinne ernst zu nehmenden Nachrichten in die Blick-Gruppe verirrt, stammt ohnehin von der SDA, einer Agentur von geradezu ermüdender Seriosität.)

Und ausserdem: wozu das alles? Von Rosamunde Pilcher, Perry Rhodan oder der WahnWoche erwartet doch auch niemand ernsthafte Bezüge zur Realität … oder?

 

[04.02.12] Widersprüche in und an sich

 


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Dass ausgerechnet die Wahn- WeltWöchner sich selbst die Fähigkeit zu “kritischer Analyse” zuschreiben, könnte man (zumal in Zeiten des Karneval) als misslungenen Scherz abtun – stünde nicht zu befürchten, dass Köppel et al. ihre eigenen Fantasien von “intelligentem Leben in der Redaktion” mit der Wirklichkeit verwechseln, schlimmer noch, es Menschen Konsumenten gibt, die ernst nehmen, was Engeler und Konsorten in die Tasten fiebern, weil ihre Medikamente ausgegangen sind …

Wenn nun aber derartige “Selbstdarstellungsversuche” des SVP-Zentralorgans von Google AdNonSense just auf den Seiten von InfoSperber plaziert werden, ist das etwa so, als würde man Werbung für Brandbeschleuniger auf den Seiten einer Freiwilligen Feuerwehr publizieren …

Jedoch: wo es pyromanische Feuerwehrleute gibt, muss es wohl auch “Journalisten” wie Köppel und Engeler geben … oder?

 

[04.02.12] Kleiner Wahn, ganz gross

 

Wer seit längerer Zeit mitverfolgt hat, wie in Hummler’s Hausblatt, der Nunmehr Zweifelhaften Zeitung, aber auch in anderen, sich selbst als seriös deklarierenden Medien einerseits über den sogenannten Steuerstreit, andererseits über das angebliche Ausländerproblem “berichtet” wird, dem müsste sich irgendwann die Frage stellen, die meine Schweizer Frau mir als Deutschem heute morgen gestellt hat:

Sind wir Schweizer einfach nur grössenwahnsinnig – oder müssen wir uns Sorgen machen?

Auslöser dieses Gedankens war die schlichte Erkenntnis, dass in den selben Medien, die von in der Schweiz lebenden Ausländern mehr oder minder kompromisslos nicht “nur” vollumfängliche Einhaltung aller eidgenössischen Gesetze, sondern auch perfekte Anpassung an hiesige Gepflogenheiten fordern (im Extrem bis hin zur faktischen Selbstaufgabe), mit der gleichen Arroganz Konsequenz von im Ausland lebenden Eidgenossen verlangen, dass diese auch ausserhalb des Hoheitsgebietes der Confoederatio Helvetica ausschliesslich “Regeln und Riten” der Schweiz respektieren … geht’s noch !?!?

 

[05.01.12 ff.] Wenn Journalisten zu Populisten werden

 

Als ich vor einigen Wochen Kurt Imhof über den (in meinen Worten:) Zusammenhang von journalistischem Versagen und populistischen Erfolgen philosophieren hörte, hielt ich den Professor für einen Pessimisten. In der Zwischenzeit jedoch hat mich der “Medien-Zirkus Schweiz” eines Besseren Schlechteren belehrt …

Als unstrittig dürfte gelten, dass Christoph Blocher wieder einmal versucht hat, Philipp Hildebrand in Verruf zu bringen – Kindergartenspiele, wie man sie von der Selbsternannten Volks-Partei zu Genüge kennt. Wenn nun aber deren Chef-Demagoge meint, offenkundig widerrechtlich erlangte Daten missbrauchen zu müssen, um dem Präsidenten der Nationalbank “etwas anzuhängen”, ist damit wohl endgültig die Grenze des Tolerierbaren überschritten.

Indes: die Medienschaffenden (die als “Journalisten” zu bezeichnen sich meines Erachtens verbietet) konzentrieren sich lieber darauf, eine “Causa Hildebrand” zu konstruieren, in der an sich relevante Fakten nur noch geduldet werden, wo sie einer offenbar von keinerlei Skrupel mehr gehemmten “Blutgier” der Medien nicht im Wege stehen !?!

Wie sonst wäre zu begreifen, dass selbst die bis anhin als seriös bekannten SF (online) und DRS (“Echo der Zeit”) sich nicht länger entblöden, in Reaktion auf den letzten “Auswurf” der WeltWoche zu vermelden, die Debatte um Hildebrand schade der Nationalbank – eine Debatte, wohl gemerkt, die es niemals gegeben hätte, wäre die “veröffentlichte Meinung” mit dem SVP-Zentralorgan so umgegangen, wie es dieses “Pamphletli” eigentlich verdient: überhaupt nicht.

Stattdessen wird nun in beängstigender Einstimmigkeit von allen Medien “Blocher’s Lied” gespielt – koste es die Glaubwürdigkeit der Nationalbank, was es wolle.

[07.01.12] Nachtrag: “Ganz Gallien? Nein!”

Den einzigen ernstzunehmenden Versuch, das von der “Blocher-Woche” angestiftete Kesseltreiben noch im Ansatz zu beenden (und sich nicht erst im Nachhinein für offen williges Mitlaufen ebenso scheinheilig wie halbherzig zu “entschuldigen”), hat meines Wissens das Journal 21 gewagt – bezeichnenderweise ein Medium, dem Imhof et al. besonders hohes journalistisches Niveau zubilligen, trotzdem aber (oder gerade deswegen) nur äusserst geringe Ueberlebenschancen …

[09.01.12] Nachtrag: Auflage vs. Aufklärung

Wie vor ihm Horst Köhler, hat nun auch Phillip Hildebrand einsehen müssen, dass in unserem heutigen “Medien-Zirkus” die Wahrheit nichts, der Wahn hingegen alles ist. Beide wurden von einem geifernden Pseudo-Journalisten-Mob in den “öffentlichen Tod” getrieben – einfach nur, weil die Auflage den Rufmord heiligt …

Angesichts eines solchen Medienunwesens, das mit Journalismus, geschweige denn Aufklärung weniger als nichts zu tun hat, frage ich mich, ob Kurt Imhof geahnt hat, wie nah wir der von ihm vorausgesagten “Wiedereinführung öffentlicher Hinrichtungen in der Schweiz” bereits gekommen sind. (- Gleich muss ich kotzen …)

“Was woll’n Sie eigentlich?”, fragt der Redakteur, “Verantwortung, Mann, wenn ich das schon hör’!
Die Leute müssen halt nicht alles glauben, nur weil’s in der Zeitung steht!” (…)

(Reinhard Mey, “Was in der Zeitung steht”)

 

[21.12.11 ff.] Die Mär von den gejagten Jägern

 

Eine – wenngleich absehbar ungewollte, so doch unübersehbar deutliche – Bestätigung für die Thesen von Prof. Imhof et al. liefert heute Andreas Masüger, seines Zeichens Mitglied der Geschäftsleitung der Südostschweiz Medien:

Im Versuch, “eine Lanze für die Journalisten” (nota bene: nicht “für den Journalismus”, schon gar nicht für den von Imhof angemahnten “Qualitätsjournalismus”) zu brechen, zeichnet hier einer der Hauptverantwortlichen ein Bild von dem, was er für journalistische Tätlichkeit Tätigkeit hält – eine Darstellung, die zwar nichts zu entschuldigen, wohl aber vieles zu erklären vermag …

Vor dem Hintergrund der Bundesratswahlen degradiert Masüger die Medienschaffenden (um einen treffenderen Ausdruck zu verwenden) zu Wiederkäuern, sieht er ihre Aufgabe doch offenbar darin, was Politiker ihnen zum Frass vorwerfen, ihrerseits an’s Volk weiter zu verfüttern. In Umkehrung des Strauss’schen Verdikts müsste für die Medien unserer Zeit demnach wohl gelten: “Vox Rindvieh, Vox Populi”.

Ausgerechnet die mediale Reaktion auf die Causae Suter / Blocher und Zuppiger als “erstklassige journalistische Leistungen” zu bezeichnen, macht Masüger’s Bild auch nicht besser – bedarf es doch einer geradezu rührend anmutenden Naivität, insbesondere im zeitlichen Ablauf dieser Ver- und Entwicklungen mehr zu sehen als Resultate SVP-interner Machtkämpfe, in denen die Medien wenig mehr waren als willige Gehilfen.

Apropos: wer so alt ist wie ich aussehe, kann sich vielleicht noch an Zeiten erinnern, in denen Journalisten es als ihre Aufgabe gesehen haben, aktiv auf Strauss(e) und andere “hohe Tiere” Jagd zu machen – aber das war, als es im zivilisierten Europa noch Vier Gewalten gegeben hat. Lang, lang ist’s her …

[08.01.12] Nachtrag: “Wiederkäuer-Journalismus”

Dass Masüger’s “Arie des Jammers” letztendlich nur dem Zweck dient, (s)ein Geschäftsmodell zu verkaufen, lässt erkennen, was im letzten (Inhalts-) Kapitel des FOEG-Jahrbuchs 2011 geschrieben steht:

Aus einer Analyse des Verhältnisses von Schweizerischer Depeschen-Agentur und eidgenössischen Presseredaktionen ist nämlich – surprise, surprise: – die von Masüger’s Mannschaft produzierte SüdOstSchweiz als klare Siegerin hervorgegangen – in der Disziplin “Abschreiben”: keine andere Zeitung von nennenswerter Auflage übernimmt ähnlich frei von Hemmungen oder gar eigener Leistung, was der SDA-Ticker liefert …

 

[25.11.11 ff.] Notizen aus der Provinz ***

 

Als vor einigen Tagen das aktuelle Jahrbuch mit seinen knapp fünf Pfund “Lebendgewicht” bei uns aufgeschlagen ist, habe ich zumindest eines schnell begriffen: mit “Jahrbuch” ist sowohl die Frequenz des Erscheines gemeint als auch die Zeit, die man braucht, um einen solchen Brocken zu verdauen. Aber es lohnt sich (!), und sei es nur, um zu lernen, dass eigenständiges Nachdenken durch nichts zu ersetzen ist – ausser durch noch mehr eigenständiges Nachdenken …

Im Ernst: ich werde gar nicht erst versuchen, mir einen abschliessenden Kommentar zu diesem Werk anzumassen – stattdessen mögen ein paar wenige “digitale Randnotizen” genügen (die ich zudem explizit als Kritik im Sinne des Wortes verstanden wissen möchte):

  • Wäre die Studie ein Musikstück, wäre sein Tongeschlecht zweifelsfrei Moll – durchzieht doch das gesamte (Druck-) Werk eine Trauer um den schleichenden Niedergang des klassisch-seriösen Journalismus, der auch ich nicht viel entgegen zu setzen habe … ausser der (vagen) Hoffnung, aus den Reihen der Blogger könnte sich dagegen an Widerstand entwickeln, was die etablierten Medienschaffenden nicht leisten können (oder wollen).
    Dass solches bereits im Gange ist, zeigt ein Blick in den “Grossen Kanton”, wo nicht zuletzt das “Schwäbische Staatsfernsehen” (SWR) in einer Art und Weise über “Stuttgart 21″ berichtet, angesichts derer selbst George Orwell erbleicht wäre – und alle etablierten Journalisten spielen mit oder schweigen (Arno Luik ausgenommen) … Einer der ganz wenigen, die sich dem entgegenstellen, ist ein Blogger: Friedhelm Weidelich, der zwar ungeniert seine Meinung kund tut – dabei aber “trotz” offensichtlicher Kenntnis der Sache wie der Fakten, genug Mut aufbringt, “sich seines eigenen Verstandes zu bedienen”.
    [28.11.11]
  • Einschub: Je länger ich über “Serious Blogging” à la Railomotive nachdenke, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, es (auch) mit einem alten Phänomen in neuer Gewandung zu tun zu haben, stellten doch auch manche der Flugblätter und -schriften vergangener Jahrhunderte eine Art von “Guerilla-Journalismus” dar, will sagen: legitime Teilnahme am “öffentlichen Diskurs” (Kant) – nicht zuletzt als Korrektiv offenbar korrumpierter “Meinungsmacher”.
    [28.11.11]
  • Ergänzung: an späterer Stelle erwähnt die Studie auch unabhängige News Sites wie beispielsweise (den) Infosperber, der “publiziert, was andere übersehen” (Eigenwerbung) – wobei die besondere Chance dieser Plattform in ihrer Finanzierung durch eine Stiftung besteht, denn nur wo nicht alles “am Golde hängt”, können Journalisten wirklich frei denken und schreiben.
    Apropos: offenbar gehen die FOEG-Autoren davon aus, dass nur “echte Journalisten gute Journalisten” sein können, unterstellen sie im gleichen Kapitel der Studie doch pauschal, was Blogger verbreiten, sei “intersubjektiv nicht nachvollziehbar”, mithin als Nachricht (lies: Information) wertlos. Aus- wie vor allem eingebildeten Journalisten dürfte ein solches Verdikt gefallen – (Realitäts-) Sinn vermag ich dennoch keinen darin zu erkennen.
    Was im Text folgt, lässt eigentlich auch nur vermuten, welche Schwierigkeiten die Autoren mit den Online-Medien an sich haben: basierend auf für Internet-Verhältnisse “museal” anmutenden Daten, wird der Vorwurf erhoben, die (paar wenigen) zuvor als “professionell” und “bedeutend” anerkannten News Sites würden mehrheitlich von Redakteuren betreut, die weder Ausbildung noch Erfahrung als Journalisten nachweisen könnten.
    Dem ist aus meiner Erfahrung als Nutzer digitaler wie analoger Medien keinesfalls zu widersprechen. Nur: was erhebt dann noch den “bezahlt-unwissenden Profi” (lies: Redakteur) über den “unbezahlt-wissenden Amateur” (lies: Blogger) …?
    [25.12.11]
  • Im Bereich der Online-Medien werden zwar verschiedentlich “Portale” im Stil von Swisscom Bluewin angesprochen, die (vermutlich) aggregierte Nachrichten mitanbieten, um damit die Attraktivität ihrer eigentlichen Dienstleistungen zu steigern. Gänzlich unerwähnt, mithin unkritisiert bleibt indes news.google.ch – was mich insofern überrascht, als diese Web Site nicht weniger als eine virtuelle Presseschau zur freien Verfügung stellt.
    Und mögen Auswahl und Anordnung der berücksichtigten Pressetexte auch noch so unvollständig und willkürlich erfolgen (“Don’t be naive!”): zumindest für gewöhnliche Menschen eröffnet dieses Angebot neue Perspektiven – wären doch allein für das gleichzeitige Abonnement der digitalen Ausgaben von Neue[r] Zürcher Zeitung, Tages-Anzeiger und TagesWoche (um nur die “üblichen Verdächtigen” zu nennen) bereits mehr als 1’200 CHF pro Jahr zu berappen.
    [26.11.11]
  • Die WeltWoche, bekanntermassen faktisches SVP-Zentralorgan, als “weltanschaulich geprägt” zu charakterisieren, verleiht dem Begriff “Euphemismus” eine ganz neue Dimension – die Neue Zürcher Zeitung nicht laut, aber deutlich als Vorbild für hochwertigen (Zeitungs-) Journalismus darzustellen, jedoch auch, allerdings in hoffentlich ungewollter Weise:
    Wenn, um zwei Beispiele (dat. 26.11.11) zu nennen, die NZZ “offline” einen Leitartikel publiziert, der in offensichtlicher Unkenntnis deutscher Verhältnisse versucht, den Eidgenossen den Ueberwachungsstaat schön zu schreiben, während die NZZ “online” aus dem Atomausstieg der Deutschen einen drohenden Zusammenbruch des schweizer Stromnetzes meint ableiten zu müssen, so vermag zumindest ich darin nicht mehr zu erkennen als FDP-/SVP-Propaganda, verfasst von Schreiberlingen, die die Vierte Gewalt für einen Party-Club halten.
    Sollten die Autoren der Studie indes “nur” gemeint haben, dass alle anderen Zeitungen noch schlimmer sind: dem zu widersprechen, würde ich mich hüten. Begrüsst hätte ich allerdings, wenn zumindest gefragt worden wäre, ob verdeckte Manipulation durch als Berichterstattung getarnte Meinungsmache nicht vielleicht doch gefährlicher ist als offene Hetze (?).
    [27.11.11]
  • Einer der studierten Mega-Trends ist “wohl aber übel”, dass die Schweiz sich medial immer mehr zu einer Art von selbstreferenzierendem System entwickelt: während immer weniger aus und über das uns umgebende Ausland berichtet wird, werden Souveränität und Identität der Eidgenossenschaft immer häufiger thematisiert – wohl auch von manchen Medien bewusst zum Thema gemacht …
    Angesichts derartiger Isolationismus-Tendenzen zumindest der “veröffentlichten Meinung” beschleicht mich dann doch die Frage, ob die Menschen hier allen Ernstes glauben (wollen), durch faktisches Wegsehen vergessen machen zu können, dass die Schweiz eine Insel im “Meer Europa” ist – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger (!).
    [30.11.11]
  • Einschub: wenn in der “veröffentlichten Meinung” das Bild einer “uns bedrohenden Welt” gezeichnet wird, so entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie – sind gerade wir Menschen doch die schlimmste Bedrohung, mit der “unsere” Welt jemals konfrontiert gewesen ist (und dass solche Wahrnehmungsstörungen weit über die Schweiz hinaus verbreitet sind, macht auch nichts besser, im Gegenteil …).
    [22.12.11]
  • Man könnte es als Treppenwitz der Geschichte bezeichnen: während in der ebenso “omniinpotenten” wie omnipräsenten Geschäftswelt aktuell eigentlich nur noch Spezialisten erwünscht sind, feiert in der “Gegenwelt” der Medien die Sehnsucht nach Generalisten fröhliche Urständ’ – würden doch sonst die sich wie Krebsgeschwüre ausbreitenden “News Rooms” noch weniger Sinn ergeben. Wohin es allerdings unsere Gesellschaft führen wird, wenn “Journalisten” immer mehr über Themen schreiben (müssen), von denen sie keine Ahnung haben (können), darf sich jeder selbst ausmalen …
    Apropos: beinahe surreal mutet vor diesem Hintergrund an, wenn in der Berufsethik (PDF) des Fachverbandes postuliert wird, “Journalisten sicher[te]n den gesellschaftlich notwendigen Diskurs”. Dem kann ich nur hinzufügen: schön wär’s.
    [13.12.11]
  • Ergänzung: kombiniert man die offenkundig abnehmende Qualifikation der Medienschaffenden mit dem gleichzeitig zunehmendem Einfluss kommerzieller “Public Relations”, so ermöglicht dies einen klaren Blick auf das Geschäftsmodell von Tamedia und Konsorten: “die Wahrheit wird meistbietend verkauft”.
    [08.01.12]
  • Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer drohenden zweiten Initiative der Fremdenfeinde müsste die im Jahrbuch schamhaft als “Vertiefung” weit unter Wert verkaufte Studie zur unheiligen Allianz von Populisten und Journalisten (offiziell: zur Problematisierung des Fremden in den Medien) eigentlich als separater Text veröffentlicht werden – zumal hier in bewundernswerter Nüchternheit an konkreten Fällen diskutiert und illustriert wird, was in den Kernbereichen des Jahrbuchs zwar wortreich, aber doch eher theoretisch abgehandelt wird.
    [06.01.12]

 

[25.10.11] Einwurf: Nur so ‘ne Idee

 

Abgesehen vom immer wieder neuen Erstaunen über den Wortschatz des Autors (und die Artikelvielfalt von Wikipedia …), löst die Lektüre von Kurt Imhof‘s Buch über die “Krise der Oeffentlichkeit” bei mir auch so manchen Gedanken aus – von denen nicht unbedingt jeder auf dem ihm zugedachten Pfad verbleibt:

So wird in Imhof’s Text (neben vielen anderen) Wladimir Iljitsch Lenin mit der Ansicht zitiert, zentraler Bestandteil einer organisierten Revolution sei (auch) die Produktion und der Vertrieb einer Massenzeitung. Wer dabei heute primär an Masse und nur pro forma an Zeitung i.e.S. denkt, kommt an Bild, Blick und 20min kaum mehr vorbei. Jedoch, so müsste man sie alle fragen: “wie hast Du’s mit der Religion Revolution” ???

Akademisch korrekte Antwort: das kommt darauf an … Einmal angenommen, dass auch jene, die das Nichts zum Kernthema ihres Schreibens auserkoren haben, gelesen werden wollen, fällt leicht zu erkennen, was Sinn und Ziel der Pseudo-Zeitungen ist: die Rückführung des Menschen in seine Unmündigkeit, “poor man’s approach to counterrevolution” vonseiten derer, bei denen der Homo mit dem Sapiens nichts anzufangen weiss.

 

[16.10.11] Eine Kritik, die keine ist

 

Wie es aussieht, hat Peter Wälty für das (erneute) Wiederkäuen seiner Tiraden gegen Kurt Imhof et al. diesmal einen Auftragsschreiber bemüht: Hans Voigt, seines Zeichens Chefredaktor von “20 Minuten online”, dem schweizer Leitmedium des inhaltsfreien Journalismus’ – womit eigentlich bereits alles Wesentliche zu diesem “Pamphletli” gesagt ist … beschränken wir uns also (wie Wälty und Voigt) auf das Unwesentliche:

Wer Kurt Imhof dessen “elitäres Weltbild” zum Vorwurf macht, bescheinigt damit in erster Linie sich selbst, nicht verstehen zu können (oder zu wollen), was den kritischen Soziologen umtreibt: die Erkenntnis nämlich, dass immer mehr Medienschaffende sich mit immer weniger inhaltlicher Substanz bescheiden, sei es aus Unfähigkeit, Desinteresse oder Angst vor dem Chefredaktor … Wer, wie ich, jahrzehntelang beispielsweise “Die Zeit” gelesen und ihren geistigen Verfall miterlebt hat, sieht, was auch Imhof sieht und sagt:

Qualitativ hochwertiger Journalismus entwickelt sich immer mehr von der Regel zur Ausnahme – mit allen Folgen für die Entwicklung der Gesellschaft …

Und dabei geht es, folgt man Kurt Imhof’s Auslegung von Immanuel Kant’s Thesen, um nicht weniger als die Gefährdung der Aufklärung. Aber auch, wer sich, wie Ueli Mäder, nur darüber wundert, dass in der Oeffentlichen Meinung offenbar sehr viel lieber “Geisterdebatten” geführt als real existierende Probleme diskutiert werden, kann nicht ernsthaft in Zweifel ziehen, dass es eine Wechselwirkung gibt zwischen dem, was Menschen denken und sagen, und dem, was sie zu sehen, zu hören und zu lesen bekommen – von Medienschaffenden, die dafür (mit) Verantwortung tragen, ganz gleich, ob sie diese übernehmen wollen oder nicht.

Und auch Voigt’s Ablehnung von Imhof’s Standpunkt als “ewiggestrig” wird daran nichts ändern, ganz im Gegenteil, zeigt doch gerade die “eingebürgerte NSDAP” auf’s Drastischste, wie der gezielte Einsatz von Worten und Bildern die Ueberzeugungen der Menschen zu manipulieren vermag – George Orwell lässt grüssen … Dagegen erscheint Ludwig Wittgenstein’s Warnung fast schon als harmlos – auch wenn sie es in letzter Konsequenz ganz gewiss nicht ist: verarmt die Sprache der Menschen, so verengt sich auch ihre Gedankenwelt.

Bildlich gesprochen, warten Voigt und Konsorten also auf den Abend – denn, wie schon Karl Kraus zu berichten wusste: wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst geistige Zwerge einen langen Schatten …

 

[08.10.11] Inquisition für Anfänger

 

Wer die heute in der Online-Ausgabe des Tagesanzeigers unter dem merkwürdigen Titel “Wissenschaftlicher Boulevard” publizierte Verbalattacke gegen Kurt Imhof und seine Mitarbeiter aufmerksam gelesen hat, der könnte sich an eine Schmähschrift gegen den “Linke(n) Professoren” Ueli Mäder erinnert fühlen, die vor einem Jahr über das faktische SVP-Organ Weltwoche verbreitet worden ist:

Beide Texte sind von den jeweiligen Chefredaktoren gezeichnet, wenn nicht gar verfasst worden – was einmal mehr zeigt, dass auch im Bereich des selbsternannten Qualitätsjournalismus’ zwischen Funktion und Fähigkeit einer Person kein unmittelbarer Zusammenhang bestehen muss. Eine vergleichbare Diskrepanz hat zuletzt Günther Nonnenmacher in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit seinen “Beiträgen” zu den Mauscheleien um Joachim Gauck vs. Christian Wulff demonstriert – was indes nichts erklärt und noch viel weniger entschuldigt.

Eine weitere Gemeinsamkeit der fraglichen Texte besteht in dem, was ihnen gänzlich fehlt: Substanz. Jegliche ernsthafte Auseinandersetzung mit den Kernthesen der betroffenen Studien wurde von den Autoren mit einer Konsequenz vermieden, wie man sie sonst nur aus dem Vatikan kennt, wenn dort Hans Küng erwähnt wird. Aber vielleicht geht es ja auch genau darum: eine Meinung zu verketzern, schlicht, weil sie ebenso fundiert wie unbequem ist.

Seriöse Debatten jedenfalls werden in einer anderen Form, will sagen: auf einem anderen Niveau geführt …

[10.10.11] Rückmeldung / Kommentar

Aus dem Forschungsbereich Oeffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich, dessen Studie zur Qualität der Medien Auslöser für die “allergisch-hysterische” Reaktion des Tagesanzeiger gewesen ist, hat mich dazu heute folgende Wortmeldung erreicht:

Abgesehen davon, dass ich mich als eine der Mit-Betroffenen der Verbalattacke über andere Einsichten freue, war die Lektüre ein Genuss! Am allerbesten gefällt mir das Bild vom Vatikan und Hans Küng. Vielen Dank, das war Erheiterung!

 

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